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15.06.2016, 15:00 Uhr: Bürgerverein on Tour - Inside Ritter Sport

Inside Ritter Sport – Der Bürgerverein on Tour

Auch Erwachsene naschen gerne Schokolade, aber warum nur? Macht sie nicht dick und schädigt die Gesundheit*? Ach was, alles ist ungesund, wenn die Dosierung nicht stimmt.
Schon der Gedanke an Schokolade stimuliert Hirn, Herz und Gaumen und verheißt wohlige Entspannung und lustvollen Genuss. Erst recht, wenn die schmelzende Schokolade ihre Reise in unsere körperliche und seelische Innenwelt antritt, fühlen wir uns sofort in einer besseren Welt voller Süsse, Wärme und Aromen, in der wir den Alltag vergessen können und uns so unvergleichlich wohl temperiert fühlen. Wie ist das nur möglich? Woraus besteht dieses irdische Manna? Wie wird es hergestellt und wieso kann es uns so verzaubern?

Das wollte ein Forscherteam des Bürgervereins in der Ritter-Hochburg in Waldenbuch auskundschaften. Dem Bus entstiegen, die zweckmäßig auf Schokoladenproduktion getrimmten Fabrikhallen im Rücken und einen imposanten Schokoladentempel - das Besucherzentrum - vor der Nase, ging die Expedition zielstrebig auf den einladend offenen, kunstvoll überdachten Eingangsbereich zu. Von dort aus bogen die forschenden Besucher wahlweise ins linke Gebäude mit Café und Kunstmuseum oder ins rechte Gebäude mit Schokoshop, Schokoausstellung und Kinderwerkstatt ab. Die Kinderwerkstatt war naturgemäß wegen Überschreitens der Altersgrenze tabu. Umso intensiver gingen unsere Experten in der Ausstellung ihrem Forscherdrang nach. In dieser Austellung gestatten die Ober-Ritter - Alfred Theodor Ritter und seine Schwester Marli Hoppe-Ritter - informative Einblicke in die vielen Rohstoffe und Zutaten zur Schokoladeherstellung, den Herstellungsabläufen, der eigenen Geschichte, die optischen Veränderungen der Schokoriegel im Laufe der Zeit und die erfolgreiche Abstimmung der Produktpalette auf anspruchsvollere und vielfältigere Kundenwünsche abstimmte.

Was passiert in der Schokoladenfabrik?

In die Fabrik werden die aus der Kakaofrucht gelösten Kakaosamen, die zuvor noch fermentiert, getrocknet, über den Atlantik transportiert und von Fremdstoffen gereinigt wurden, als Kakaobohnen geliefert. Dort werden sie geröstet, geschält, gemahlen, mit Zutaten gemischt, conchiert, abgekühlt und schließlich transportfähig verpackt. Bei allen Einzelschritten ist größte Sorgfalt vonnöten, aber beim Conchieren entscheidet sich ganz besonders, wie sehr die Schokolade gelingt.
Das Conchieren hat seinen Namen von der Conche, einem muschelförmigen Behälter (das Lateinische concha bedeutet = Muschel), in dem das beim Feinwalzen entstandene Schokoladenpulver kräftig geknetet, gemischt, durchlüftet und schließlich verflüssigt wird.
Dabei wird das feinkrümelige Walzgut zunächst durch das bis zu 24-stündige Rühren in der Conge durch die Reibungswärme allmählich etwas flüssig und durch darauffolgende Zugabe von Kakaobutter und Lecithin zu einem seidig geschmeidigen Schokoflüßchen. In dieser fluiden Metamorphosephase - zähflüssiger Geschmacksbrei zu hocharomatischer Geschmacksbombe - werden alle enthaltenen Nichtfette wie Zucker und Milchpulver vollständig mit Kakaobutter umhüllt. Dieser Vorgang ist das große vom Schweizer Schokoladefabrikanten Rudolphe Lindt zufällig entdeckte ultimative Geheimnis für cremiges Schokomundgefühl und fast überirdisch dahinschmelzender Einswerdung von Schokolade, Gaumen und Wohlgefühl.


Was bewirkt die Schokolade?

Der Genuss von zucker- und kohlenhydratreichen Lebensmitteln kann - das ist wissenschaftlich bewiesen - ein Gefühl der Zufriedenheit erzeugen. Verantwortlich dafür ist das Serotonin. Das ist ein Botenstoff, der nach Zucker- und Kohlenhydratkonsum verstärkt im Gehirn gebildet wird. Er wird aus der Aminosäure Tryptophan gebildet und im Gehirn zum „glücksbringenden“ Serotonin umgebaut. Die Steigerung des Serotoninspiegels funktioniert besonders gut bei Lebensmitteln, die wie die dunkle Schokolade wenig Protein enthalten. Mit jedem Stückchen Schokolade gelingt uns daher intuitiv eine kleine Stimmungsaufhellung. In besonderen Glücksmomenten wie beim Schokoladeknuspern werden auch Endorphine gebildet und weil sie Euphorie auslösen können, nennt man sie auch Glückshormone. Auch spielt die Sensorik eine wichtige Rolle. Die bei Körpertemperatur dahinschmelzende Kakaobutter lässt die Schokolade im Munde zergehen und erzeugt ein angenehm volles Gefühl, ein Umamie-Geschmackserlebnis in der Schokodimension sozusagen. Weil Aromen die Geruchszellen im Näschen reizen und beim Kauen ein intensives Geschmackserlebnis entsteht, wirkt diese göttliche Speise so sinnlich anregend, dass wir auf diese Weise von angenehm wohligen Empfindungen überschüttet werden (können). Zum guten Gefühl beim Naschen trägt auch bei, dass Schokolademampfen häufig kindheitsseelige Erinnerungen weckt und das Futtern energiehaltiger Speisen schon seit Adam und Eva immer eine frohe Botschaft für Hirn und Bauch war und noch ist.

Wieso ist die Ritter Sport quadratisch?

Machen wir doch eine Schokolade, die in jede Sportjacketttasche passt, ohne dass sie bricht, und das gleiche Gewicht hat wie die normale Langtafel! Mit dieser Formel aus Marktanalyse und Marketingstrategie erfand Schoko-Urmutter Clara Ritter 1932 die Zauberformel für ewigen Markterfolg. Ihre Familie war begeistert. So eroberte das quadratisch-praktisch-gute Schokoladenquadrat umgehend unter dem Markennamen „Ritter’s Sport Schokolade“ bis auf den heutigen Tag den Schokolademarkt.

Noch ein paar kleine Infos zur schokoladigen Familiengeschichte

1912 heirateten die Süsswarenladenbesitzerin Clara Götte und der Konditormeister Alfred Eugen Ritter und gründeten alsbald nach der Hochzeit die Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik in Bad Cannstatt - der Grundstein der Ritter Sport Schokoladengeschichte - und produzierten und verkauften dort die ersten Ritter-Schokoladen. Wann die Schoko-Pioniere ihre famose Idee zur Schokoproduktion hatten, ist erst kürzlich aufgrund eines geheimen Abhörprotokolls des kaiserlichen Geheimdienstes, das allerdings noch nicht endgültig auf Echtheit überprüft werden konnte, bekannt geworden. Danach flüsterte Alfred in der Hochzeitsnacht allerlei Süsses in die Öhrlein seiner Clara und steckte ihr als Betthupferl ein Stückchen selbst konfektionierte Schokolade ins Mäulchen. Davon sagte Clärchen, hin und weg vom zarten Schmelz und süssen Kitzel der Schokolade, könntest Du mir eine ganze Fabrikhalle voll stellen, so toll ist Deine Kreation. Alfred grübelte eine halbe Sekunde und sagte kess, na, wenn Du mir dabei hilfst, ziehe ich damit eine Großproduktion auf. Da sie da nicht nein sagen konnte, zog sie Alfred zu sich unter die Bettdecke und so schufen die Ur-Rittersleut nicht nur die Voraussetzungen für ihre künftige Schokoladeproduktion, sondern auch für eine nachhaltige Sicherung mit Familienerben...
Und wieder zurück auf den Freiberg
Gestärkt im Café, randvoll beschickt mit Forschungsergebnissen aus Ausstellung und Filmvorführung und beladen mit Beute aus dem überreich mit allen Schokosorten bestückten Schokoladeshop, pur schokoladigen, nussigen, cremigen, knusprigen, biologischen oder lactosefreien, im Mini-, Normalo- oder Maxiformat, traten die Schokoladenforscher wieder ihre Heimreise an.

Theo Zimmermann

* Auf alle möglichen Vorurteile, die das Schokoladenaschen in ein unverdient schlechtes Licht rücken, hat die Firm Ritter Sport auf seiner Homepage unter „Alles über Schokolade/Schokolade mal anders/Vorurteile über Schokolade“ die passenden und zutreffenden Antworten, die alle Schokoladeliebhaber sofort unterschreiben würden.

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